Notfallrucksack zusammenstellen (Teil 1)

Der Notfallrucksack, auch Bug-Out-Bag oder Fluchtrucksack genannt, ist ein fertig gepackter Rucksack, in welchem sich Utensilien für das Überleben außerhalb der eigenen vier Wände befinden. In dem individuell zusammengestellten Bug-Out-Bag (abgekürzt auch BOB genannt) befinden sich Dinge, die das Überleben für 72 Stunden sicherstellen sollen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfielt in deren Brochüre (Link) ebenfalls einen Fluchtrucksack zu packen.

Für welche Szenarien kommt ein Fluchtrucksack in Betracht?

Grundsätzlich für alle Szenarien, wo das sichere Zuhause verlassen werden muss, beispielsweise bei Evakuierungen wegen Überschwemmung, Feuer oder einer Bombenentschärfung. Solche Ereignisse sind in der Vergangenheit immer wieder vorgekommen und werden auch in Zukunft leider nicht ausbleiben. Am Ende dieses dreiteiligen Guides wirst Du in der Lage sein einen auf Dich und Deine Fähigkeiten abgestimmten Notfallrucksack zusammen zu stellen.

Welchen Rucksack kaufen?

Zunächst brauchen wir einen Rucksack, wo das ganze Equipment schließlich rein passt, oder? – Falsch!
Den Rucksack kaufe bitte ganz zum Schluss. Das benötigte Survival-Equipment wird zuerst angeschafft. Dies machen wir, damit wir nicht am Ende merken, dass unser zu Beginn gekaufter Rucksack doch zu klein geraten ist oder sich unbequem trägt.

Wie beginnen wir also?

Ein Fluchtrucksack (in den USA spricht man auch von 72h-Kit) soll uns das Überleben außerhalb unserer gewohnten Umgebung für 72 Stunden sicherstellen.
Beim Thema Überleben / Survival richten wir uns nach den „5 C’s of Survival“ nach Dave Canterbury:

Cutting
Combustion
Cover
Container
Cordage

Cutting (Tool) – engl. Schneidwerkzeug

„Die Fähigkeit Werkzeuge zu benutzen unterscheidet uns vom Affen.“ – schon die Urzeitmenschen haben scharfe Steine benutzt und damit die Welt erobert. In Zeiten von leicht zu öffnenden Lebensmittelverpackungen sind Messer und Co. etwas in Vergessenheit geraten. Im Worst-Case-Szenario möchtest Du dennoch nicht ohne unterwegs sein.

Auch wenn es eine Vielzahl an Schneidwerkzeugen gibt, konzentrieren wir uns hier auf das sinnigste davon: das Messer.
Ein Beil, Axt, Tomahawk und eine Machete mögen cool aussehen und englischsprachige Websites sind voll mit diesen Gerätschaften, aber für einen Fluchtrucksack in deutschen Gefilden ist so etwas nicht notwendig.

Welches Messer kommt denn nun in Betracht?

Empfehlenswert ist ein feststehendes Messer mit durchgehender Klinge (full-tang). Dieses sollte stabil genug sein zum Batonen (Holz spalten) und kann auch mal als Hebelwerkzeug, eingesetzt werden ohne sofort zu brechen. Im Notfall könnte man damit auch Wild aufbrechen, Nahrung zubereiten und sich verteidigen.

Hier findest Du einen großen Messervergleich. (LINK – Top 10 Outdoor-Messer)

Zusätzlich solltest du noch ein kleineres (Klapp-)Messer mit einpacken. Dieses dient vorranig der Lebensmittelzubereitung oder um filigranere Arbeiten durchzuführen.

Combustion – engl. Verbrennung – Feuer entfachen.

Des Weiteren müssen wir unbedingt in der Lage sein Feuer zu entfachen (LINK Artikel Feuer). Ein Feuer hält uns in einem Katastrophenfall warm, entkeimt unser Trinkwasser und gart unsere Nahrung. Manch einer wird ein Feuerzeug in den Rucksack packen und denken dies sei genug – doch wir sind besser vorbereitet. Redundanz ist das Stichwort hier. In unserem Fluchtrucksack haben wir ein Fire-Kit mit mindestens drei Möglichkeiten Feuer zu entzünden, sowie etwas Zunder.

Feuerquelle Nr. 1 – ein Feuerstahl

Ein Feuerstahl ist ein Stück weiches Metall, an welchem mittels eines härteren Stück Metall Späne abgeschabt werden kann. Geschieht dies mit höherer Reibung entzündet sich die Späne und Funken fliegen.

Feuerquelle Nr. 2 – ein gutes Feuerzeug

Empfehlenswert ist hier ein gewöhnliches BIC-Feuerzeug. Mittels kleinem Kabelbinder oder Gummi sichern wir den Gashahn, sodass bei der Lagerung im Rucksack oder Tasche dieser nicht versehentlich betätigt werden kann. Alternativ kann hier auch eine Art Feuerzeug-Sleeve genutzt werden.

Feuerquelle Nr. 3 – Streichhölzer

Im Notfall entzünden uns die wasserdicht gelagerten Streichhölzer ein Feuer. Gerne können hier verschiedene Sorten gemischt werden – in etwa Sturmstreichhölzer und Überallzündhölzer (strike everywhere matches).

Das Fire-Kit

In Notsituationen benötigt man unter Umständen das Feuer innerhalb kürzester Zeit, etwa um auf sich aufmerksam zu machen oder den ausgekühlten Körper aufzuwärmen. Damit Feuermachen (LINK Artikel) keine langwierige Angelegenheit wird, wird im Fluchtrucksack das Fire-Kit mitgeführt. Hierbei handelt es sich um eine kleine Tasche mit zwei von drei Anzündmöglichkeiten und mehreren Zunderarten.

CoverSchutz vor den Elementen

Hiermit ist eine Notunterkunft gemeint – etwas was Dich vor der unbarmherzigen Natur schützt. Sei es vor anhaltendem Regen, starken Schneefall, kräftigen Windböen oder praller Sonneneinstrahlung. Der menschliche Körper muss vor den Elementen geschützt werden.
In unserem Fluchtrucksack erreichen wir dies durch Ausrüstungsgegenstände wie ein Zelt, ein Tarp und/oder einen Biwaksack.

Das Zelt

Ein Zelt schützt wohl am besten vor Witterung von den oben genannten Beispielen. Es hat einen wasserfesten Boden, ein Moskitonetz, welches vor unliebsamen Getier schützt, ein Gestänge, wodurch es seine Form behält und zudem recht einfach aufzubauen. Zudem gibt es Zelte in allen erdenklichen Größen und Farben. Das Zelt stellt einen komfortablen Rundumschutz dar. Man benötigt lediglich eine ebene Fläche, um es aufzustellen.
Ein Nachteil ist jedoch das nicht unerhebliche Eigengewicht der meisten Zelte.

Das Tarp

Das Tarp ist eine einfache wasserdichte Plane, welche mittels Schnüren zu einem Regendach abgespannt werden kann. Dadurch, dass ein Tarp viele Ösen hat, sind viele verschiedene Aufbauten möglich. So kann man ein einfaches A-Frame spannen, ein Lean-To-Shelter verwirklichen, als auch eine rundum geschlossene Behausung aufbauen.
Ein großer Vorteil von Tarps ist die Flexibilität der Aufbauvarianten (eigener Artikel LINK), sowie das geringe Gewicht. Ein Nachteil besteht darin, dass beim Aufbau eher Fehler passieren können und so eventuell kein kompletter Regenschutz entsteht. Deshalb sollte man den Aufbau von Tarps in der Praxis mehrfach üben und verschiedene Varianten des Aufbaus ausprobieren.
(eigene Bilder Tarpaufbau einfügen)

Für den Anfang oder wenn das Geld knapp ist, tut es auch zunächst eine 3×3 m Gewebeplane. Diese hält zuverlässig Regen ab, lässt sich leicht aufbauen und ist sehr robust. Als Nachteil zu sehen ist hier das höhere Gewicht, sowie die Lautstärke durch Knistern bei Wind und Regen.

Für eine Einzelperson reicht ein Tarp in der Größe von 2×3 m in der Regel aus. Als praxistauglich hat sich jedoch die quadratische Grundform von 3×3 m erwiesen.

Soll das Tarp mehrere Personen schützen, wird die Grundfläche entsprechend größer gewählt. Hierbei sollte jedoch beachtet werden, dass dadurch eventuell der Aufbau schwieriger werden kann, da passende Lagerfläche erst gefunden werden muss.
Sollte die zu schützende Personengruppe größer als vier Personen sein, kann darüber nachgedacht werden in zwei 3×3 m große Tarps zu investieren. Dadurch gestaltet sich der Aufbau flexibler.

Der Biwaksack

Ein Biwaksack ist ein wasserdichter Schlafsacküberzug, welcher Dich in Deinem Schlafsack warm und trocken halten soll. Beim Biwakieren wird der Biwaksack über den Schlafsack gezogen und im besten Fall auch noch die Isomatte mit hineingelegt. Somit ist man rundum vor der Witterung geschützt und könnte sich direkt auf den nassen Boden schlafen legen. Biwaksäcke gibt es in allen Gewichtsklassen. Vom ultraleichten Tyvekbivvy bis zum schweren, aber nahezu unzerstörbaren GoreTex-Bundeswehr-Biwaksack.
Einige Versionen haben ein eingezogenes Gestänge im Kopfbereich um dort für mehr Platz im Inneren zu sorgen.

Container – Behältnis um Wasser zu transportieren und abzukochen

Der Mensch kann drei Tage ohne Wasser überleben. Nach kurzer Zeit bereits, beginnt jedoch die körperliche Leistungsfähigkeit abzunehmen, wenn der Körper nicht ausreichen hydriert ist. Das stellt in Notsituationen ein Problem dar. Neben dem obligatorischen Trinkwasser im Fluchtrucksack, nehmen wir ein Behältnis mit, welches es uns ermöglicht Wasser abzukochen.
Somit sind wir in der Theorie in der Lage unbegrenzt Trinkwasser zu generieren.
Welches Behältnis eignet sich dazu am besten?
Am geeignetsten wird hier ein Behältnis aus Edelstahl oder Titan sein. Dieses ist stabil und lässt sich ins offene Feuer stellen/hängen.

Cordage – Schnur

Für den Lagerbau, für Reparaturen und allerlei andere Anwendungsgebiete wird Schnur oder Seil benötigt. In unserem Fluchtrucksack sollte deswegen eine ausreichende Menge vorhanden sein. Kletterseil dagegen ist kein Bestandteil eines Fluchtrucksacks.
In der Praxis bewährt hat sich Paracord (dt. Fallschirmschnur). Diese besteht aus einem äußeren Kern, sowie sieben innenliegenden Einzelschnüren. Durch Zerschneiden und Trennen der einzelnen Seelen des Paracords kann aus einem Meter Paracord einiges mehr an Schnur gewonnen werden. Die weißen, dünnen Seelen eignen sich z.B. als Garn zur Reparatur, zum Fallenbau oder als Befestigungsmaterial.
Mittlerweile gibt es sogar sog. Survivalcord, welche im Inneren eine Angelschnur, eine gewachste Juteschnur zum Feuermachen, sowie Kupferdraht zum Fallenbau oder Reparaturarbeiten enthält.

Ebenso bewährt hat sich im Bushcraft-Bereich Bankline – eine geteerte, geflochtene Nylonschnur.

Weitere essentielle Gegenstände zum Aufbau eines persönlichen Bug-Out-Bags sind in Teil 2 zu finden.