Notfallrucksack zusammenstellen (Teil 3)

Im ersten und zweiten Teil der Serie „Notfallrucksack zusammenstellen“ ging es um essentielle Gegenstände im Fluchtrucksack. Der dritte Teil der Serie beeinhaltet Gegenstände, die nach persönlichen Vorlieben und Erfahrung ausgetauscht werden können. (Einleitung Teil 3 schreiben)

Orientierung

Für den Fall, dass fluchtartig die eigene Wohnung verlassen werden muss, wird Karte und Kompass* im Fluchtrucksack bereitgehalten, um sich orientieren zu können. Als Kartenmaterial eignen sich Wanderkarten deiner Heimat in kleinem Maßstab (1:25.000 oder kleiner), welche möglichst viele Geländedetails ablesen lassen. So findest du zuverlässig Bäche, Wälder und Anhöhen und kannst deine Route im Voraus planen. Die Orientierung mit dem Kompass (Artikel LINK) sollte im besten Fall vorher schon einmal geübt worden sein.
Alternativ kann man auch auf moderne GPS-Geräte setzen. Diese haben genug Akkukapazität für eine mehrtägige (?) Trekkingtour.

Kommunikation

Um im Fall der Fälle mit Familienmitgliedern, Rettungsdiensten oder Behörden kommunizieren zu können, benötigen wir entsprechende Technik im Bug-Out-Bag.
Zunächst einmal besitzt wahrscheinlich jeder ein Smartphone, welches bei der Flucht mitgeführt wird. Wichtige Rufnummern von Familienmitgliedern sollte man zudem in einem Notizbuch mit sich führen, falls das eigene Handy beschädigt wird. Zudem sollte eine Lademöglichkeit für das Smartphone mitgeführt werden. Dazu gleich mehr.
Im Falle einer Krise kann es aber auch zu Netzausfall oder -überlastung kommen. Dann nutzt uns unser Smarthphone zu Kommunikationszwecken leider wenig.


Funkgeräte stellen die Kommunikation über eine gewisse Entfernung (je nach Antenne und Sendeleistung) sicher. In diesem Artikel wird explizit nicht auf Funklizenzen eingegangen. Sollte eine lebensbedrohliche Situation eintreten, wird gefunkt um Hilfe zu erhalten. Über Strafbarkeit des Ganzen kann dann hinterher diskutiert werden. Zudem könne handelsübliche Funkgeräte auch im DMO-Modus (Direct Mode Only) betrieben werden. Sie funktionieren dann wie ein Walkie-Talkie*.

Zusätzlich sollte ein Signalspiegel* im Bug-Out-Bag nicht fehlen. Mit diesem kann über weite Entfernung durch Lichtzeichen auf sich aufmerksam gemacht werden. Akkustisch Hilfe rufen klappt besonders gut mit einer Rettungspfeife* – hier gibt es Modelle die über Kilometer zu hören sind.

Schließlich sollte noch ein Notfall-Kurbelradio ins Gepäck. Mit diesem können Radiofrequenzen empfangen werden und es lässt sich durch Kurbeln aufladen. Meist haben diese Notfallradios auch eine integrierte Taschenlampe, einen USB-Anschluss zum Laden von Elektrogeräten und eine Art Sirene, um auf sich aufmerksam machen zu können. Ein echtes Allround-Talent.

Stromversorgung

Um unsere elektrischen Geräte nutzen zu können, benötigen wir eine Stromversorgung. Wenn davon ausgegangen wird, dass die öffentlichen Versorgung nicht oder nicht ausreichend funktioniert, muss eine Lademöglichkeit eingeplant werden.
Sogenannte „Powerbanks*“ kennt heutzutage jeder. Eine solche gehört selbsterklärend in entsprechender Akkukapazität ins Notgepäck. Die Kapazität des eigenen Smartphones sollte bekannt sein. Dementsprechend wird die Größe der Powerbank gewählt, um mindestens drei Tage unabhängig vom Stromnetz sein zu können. Wenn weitere Verbraucher hinzukommen, wird dementsprechend Kapazität addiert oder eine zweite Powerbank eingepackt.
Beachte: Moderne Powerbanks haben eine integrierte Selbstentladefunktion, sodass diese sich bei längerer Lagerung selbst Entladen, um den Akku zu schonen. Meist bleibt nur ca. 50% der Kapazität an Akkuladung erhalten.

Die technischen Geräte und die Powerbank werden bei Sonneneinstrahlung mithilfe eines (faltbaren) Solarpanels geladen. Diese kommen aus dem Trekkingbereich und tun auch in unserem Notgepäck gute Dienste.

Zusätzlich schadet es nicht ein Universal-Ladegerät für wiederaufladbare Batterien einzupacken. Damit können nicht nur solche Batterien aufgeladen werden, sondern auch Strom aus diversen Batteriengrößen gewonnen werden, um beispielsweise das Smartphone zu laden.
Mit einem Kfz-Adapter kann Strom aus Fahrzeugen gewonnen werden. Denke auch daran, die passenden Ladekabel für deine Geräte bereitzuhalten.

Selbstverteidigung

Kein schönes Thema, aber eines über das gesprochen werden muss: Selbstverteidigung.
In Notsituationen können psychische Ausnahmesituationen für Menschen in deiner Umgebung entstehen, die Nerven liegen blank und es kann sein, dass ein rechtswidriger Angriff in Notwehr abgewehrt werden muss.
Im besten Falle verhält man sich so, dass Streitigkeiten aus dem Weg gegangen wird. Wenn das nicht mehr funktioniert, beispielsweise weil jemand fremdes Dir oder Deiner Familie etwas wegnehmen möchte, solltest Du wissen Dich zu verteidigen. Ein Selbstverteidigungskurs oder eine Kampfsportart helfen da schon ungemein. Zusätzlich sollte ein Pfefferspray mit Sprühstrahl im Bug-Out-Bag Platz finden und schnell erreichbar sein (z.B. in der Hüfttasche). Wer mag kann sich einen Wanderstock aus Holz schnitzen oder fertig mitnehmen. Stöcke eignen sich wunderbar um Angreifer auf Distanz zu halten und können erhebliche stumpfe Verletzungen bei dem Aggressor verursachen.

Messer sind grundsätzlich zur Verteidigung nicht geeignet, da sie keinerlei Stoppwirkung bei einem Angreifer verursachen.
Auf Schusswaffen wird hier nicht eingegangen, da die wenigsten Menschen in Deutschland darauf Zugriff haben (und diese wissen besser, wie sie die Waffen in Notsituationen führen).

Erste Hilfe

Das Erste-Hilfe-Kit gehört in jeden Fluchtrucksack. Hauptsächlich um kleine Blessuren zu behandeln, aber auch um im Notfall lebenserhaltene Maßnahmen durchzuführen. Wenn der Rettungsdienst nicht oder nicht rechtzeitig kommen kann und das nächste Krankenhaus unerreichbar ist, sollte man sich auf sein Erste-Hilfe-Kit verlassen können.
Grundsätzlich ist das ein komplexes Thema und man sollte sich eingehend mit den Utensilien vertraut machen. Zudem sollte man das Erste-Hilfe-Kit personalisieren, d.h. auf seine Bedürfnisse zurecht schneidern.
Das Kit selbst sollte in einer übersichtlichen Tasche gelagert sein und folgendes auf jeden Fall beinhalten:

  • Verbandpäckchen
  • Wundauflagen
  • Tourniquet (z.B. das CAT-Tourniquet)
  • Notfallbandage (z.B. Israeli Bandage*)
  • Pflaster
  • Desinfektionsmittel (z.B. Octenisept*)

Persönliche Dokumente

In den Fluchtrucksack gehören persönliche Dokumente als Kopie, um sich gegenüber Behörden beispielsweise auszuweisen.
Von Dokumente wie Personalausweis, Führerschein, Krankenversicherungskarte, Rentenbescheid, Eigentumsnachweisen, Sparbüchern usw. sollte eine Farbkopie in wasserdichter Tasche mitgeführt werden.
Des Weiteren sollten alle wichtigen Dokumente regelmäßig digitalisiert werden und in eine (besser zwei) Cloud hochgeladen werden. Mittlerweile sind bei den meisten E-Mail-Anbietern einige Gigabyte an Cloudspeicher kostenlos. Zusätzlich werden die Dokumente im pdf-Format auf einem USB-Stick in Rucksack mitgeführt.

Rucksack

Kommen wir nun zum eigentlichen Namensgeber der Artikelreihe: Dem Rucksack selbst.
Nun, da wir alle Gegenstände zusammen haben, welche wir im Fluchtrucksack benötigen, können wir uns nach einem passenden Rucksackmodell umschauen. Wichtig ist, dass dieser zu uns passt. Das heißt: unser Equipment wird vollständig in den Rucksack gepackt (vorher einen wasserdichten Rucksackliner verwenden) und zur Probe getragen. Der Rucksack sollte möglichst leicht sein, aber dennoch ausreichend robust und über ein vernünftiges Tragesystem verfügen. Außerdem verzichten wir auf allzu knallige auffallende Farben und schauen uns bei den gedeckteren Farben um.
Es eignen sich Rucksäcke aus dem Trekkingbedarf oder der Bushcraft-Szene. Mindestens 50l Fassungsvermögen sollten es sein, da es sonst schwierig wird, die ganze Ausrüstung zu verstauen. Mehr als 70l dagegen sollten es nach Möglichkeit nicht sein.
Auch müssen wir das Gesamtgewicht im Auge behalten. Wir versuchen unter 20% des eigenen Körpergewichts zu bleiben – je nach Trainigszustand.

Damit wäre unser Bug-Out-Bag nahezu komplett. Nun erweitern wir diesen noch um ganz persönliche Gegenstände, die bei jedem anders ausfallen (Medikamente, Angelset, Schwimmhilfe, persönliche Bekleidung, Schuhe – nur um ein paar Beispiele zu nennen). Wenn der Rucksack komplett gepackt ist, darf damit trainiert werden. Erstmal einige kleine Spaziergänge und auch mal einige Overnighter im Wald sollen ein Gefühl für das Equipment geben.
Ich hoffe, dass ihr diesen Rucksack im Ernstfall niemals brauchen werdet und damit nur dem Outdoor-Hobby nachgehen werdet.

Stay safe.